Elko Braas, Triangulation II, 2024

Elko Braas performing, leaning over mixer and controller

Triangulation II geht von Carl Friedrich Gauß’ „hannoverscher Landesvermessung“ aus, jener Vermessung des Königreichs Hannover, mit der Gauß in den 1820er-Jahren das Land über ein Netz aus Dreiecken erfasste: Von erhöhten Punkten aus maß er die Winkel zwischen weit entfernten, sichtbaren Stationen und rechnete daraus die Geografie. Für diesen Teil habe ich aus Field Recordings eine Klanglandschaft gebaut.

Die auditive Reise beginnt erneut in Göttingen, Gauß’ Wirkstätte, und spannt von dort ein gleichschenkliges Dreieck auf — über Portugal nach Griechenland. Die beiden gleich langen Schenkel, die von Göttingen ausgehen, übersetzen die Geometrie der Vermessung in eine Bewegung durch Europa: zwei Sichtlinien, an deren Enden nicht gemessen, sondern aufgenommen wurde.

Über diese Klanglandschaft lege ich Melodien, die aus Akkorden mit gleichen Abständen zwischen den Tönen gebaut sind. Wo Gauß den Raum in Dreiecke teilte, teile ich den Tonraum in gleiche Intervalle.

Die Erzählung, die daraus entsteht, handelt von Vermessung und Ordnung und von ihren Rändern. Ein Dreiecksnetz erfasst Lage, Höhe und Entfernung, aber nicht, wie ein Ort klingt, woran man sich dort erinnert, was ihn kulturell auflädt. Genau dort setzt das Stück an: Es lotet die emotionalen und kulturellen Räume aus, die durch das Raster der reinen Messung fallen. „Ausloten“ meint hier beides: das Vermessen einer Tiefe und das Hören.

(Text in German)

Soundperformance, Field Recordings und Komposition. 15 min.

Hands on an illuminated controller