
Die Videoarbeit Where we once aligned untersucht die historischen und epistemologischen Grundlagen der Vermessung von Landschaft. Ausgangspunkt ist die geodätische Tätigkeit von Carl Friedrich Gauß, dessen Vermessungen im 19. Jahrhundert das Bild einer rationalisierten, mathematisch erfassbaren Welt prägten.
Im Zentrum der Arbeit steht der Desenberg bei Warburg (Nordrhein-Westfalen) – kein Hauptvermessungspunkt, sondern ein Hilfspunkt, der Gauß’ großräumige Triangulation des hannoverschen Königreichs ermöglichte. In der Arbeit wird dieser Ort erneut zum Schauplatz einer Vermessung: Eine Person bewegt sich mit einem modifizierten Vermessungsrad auf den Berg zu. Das Instrument registriert die Unebenheiten des Bodens und übersetzt sie in akustische Signale, die in Echtzeit generiert und auf Tonband aufgezeichnet werden.
So verknüpft die Arbeit historische Methoden wissenschaftlicher Präzision mit einer zeitgenössischen, sensoriell erweiterten Vermessungspraxis. Während Gauß den Raum durch mathematische Abstraktion in Koordinaten überführte, entsteht hier eine singuläre auditive Kartografie des Geländes – eine Klanglandschaft, die physische Realität als Prozess und Widerstand erfahrbar macht.
Where we once aligned reflektiert die Spannung zwischen Objektivität und Erfahrung, zwischen wissenschaftlicher Repräsentation und körperlicher Präsenz. Die Arbeit zeigt, dass jede Vermessung des Raumes zugleich eine verkörperte Form des Wissens ist – ein situierter Akt, in dem Wahrnehmung, Technik und Landschaft temporär miteinander in Resonanz treten.
Zweikanal-Videoinstallation, Vermessungsapparatur. 30 min (Echtzeitaufnahme) – offener Sound, 2 min (Detail-Loop) – stumm. Maße variabel.
